Maria Riesch - über die Höhen und Tiefen ihrer Ski-Karriere und ihr Engagement für Kinder und Jugendliche

Shownotes

Maria Riesch (geb. 24. November 1984 in Garmisch-Partenkirchen) ist eine der erfolgreichsten Skirennläuferinnen aller Zeiten: Dreifache Olympiasiegerin, zweifache Weltmeisterin, 27 Weltcupsiege und zweimal zur Sportlerin des Jahres gewählt. Als Allrounderin konnte sie in vier von fünf Disziplinen Weltcuprennen gewinnen.

Für ihr soziales Engagement wurde ihr jüngst die Bayerische Sozialmedaille verliehen. Heute arbeitet sie als Speakerin, Markenbotschafterin und Coach, tritt als TV-Expertin auf und lebt abwechselnd in Kitzbühel und am Gardasee.

Im Gespräch erzählt sie von ihrer sportbegeisterten Familie, davon, wie sie mit zwei Jahren erstmals auf Skiern stand und wie die konsequente Unterstützung ihrer Eltern sie mit 14 an die internationale Weltspitze brachte. Sie berichtet von ihrer Liebe zur Geschwindigkeit und zum Adrenalinkick der Abfahrt — und von den beiden Kreuzbandrissen im Abstand eines Jahres, die sie die Olympischen Spiele von Turin kosteten. Dieses Zurückkämpfen an die Weltspitze bezeichnet sie als prägendste Zeit ihrer Karriere.

Maria Riesch ist seit 2012 Kuratoriumsmitglied der Bundesliga Stiftung und Botschafterin der Laureus Sport for Good Foundation, in deren Laureus Academy sie nach ihrer Karriere aufgenommen wurde - zusammen mit Sportlegenden Boris Becker und Katharina Witt. Sportliche Sozialprogramme, so ihre Überzeugung, holen Kinder von der Straße und lehren Fairplay, Respekt und den Umgang mit Niederlagen. Als Investorin des FC Viktoria 1889 Berlin setzt sie sich zudem für mehr Sichtbarkeit und Gleichberechtigung im Frauensport ein.

Hört rein und lasst euch inspirieren von diesem wunderbar unterhaltsamen und gleichzeitig mutmachenden Gespräch mit der sympathischen Maria Riesch!

Weiterführende Hinweise & Links:

Maria Riesch - die offizielle Website

Bayerisches Ehrenamtsportal — Engagement-Möglichkeiten, Fortbildungen und Infos für alle, die sich einbringen wollen

Bayerische Ehrenamtskarte — Anerkennung und Vergünstigungen für ehrenamtlich Engagierte

Laureus Sport for Good Foundation Deutschland — Sportsozialprogramme für benachteiligte Kinder und Jugendliche

Bundesliga Stiftung — Projekte für ein gesundes und gleichberechtigtes Aufwachsen

FrauenOrte Bayern — Porträts starker Frauen, die Bayerns Geschichte geprägt haben

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Eine Produktion des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales.

Transkript anzeigen

00:00:01: Sprecher 1 Es ist einfach gut zu sehen, dass man die Kinder von der Straße weggeholt, weil das ist dann meistens die Alternative. Und gerade in großen Städten, wo dann auch viel Kriminalität und Drogensachen und so sind. Und wenn man dann manchmal sieht, was für kleine Kinder da teilweise unbeaufsichtigt rumlaufen, weil die Eltern, na ja, wahrscheinlich auch arbeiten und nicht so die Zeit haben, sich darum zu kümmern.

00:00:20: Sprecher 1 Von dem her kriege ich gleich eine Gänsehaut. Also ist es einfach...tut gut zu sehen, dass man die Kinder mit so was von der Straße wegholen kann.

00:00:28: Sprecher 2 Bayern gemeinsam stark. Der Podcast mit Menschen, die uns inspirieren.

00:00:34: Sprecher 3 Herzlich Willkommen zu #BayernGemeinsamStark! Heute wieder mit mir, Lena Prieger. Und wir sprechen in diesem Podcast mit Menschen aus Bayern. Menschen, die Bayern ausmachen, die Bayern bewegen und inspirieren. Heute zu Gast eine der erfolgreichsten Skirennläuferin aller Zeiten. Maria Riesch! Hallo. Maria, ich stell dich kurz vor: Maria Riesch wird am 24. November 1984 in Garmisch Partenkirchen geboren. Die jüngeren Geschwister Susanne und Matthias, es sind Zwillinge, kommen 1987 auf die Welt.

00:01:06: Sprecher 3 Mit zwei Jahren steht Maria das erste Mal auf Skiern und schnallt sie danach eigentlich nicht mehr ab. Schon als 3-jährige bekommt sie Privatunterricht, weil keine Schischule ein so kleines Kind aufgenommen hätte. Dass sie Talent hat, ist ganz schnell klar. Mit fünf wird sie Mitglied im Skiurlaub Patenkirchen. Und von da ab geht es weiter bergauf. Oder besser gesagt weiter rasant bergab.

00:01:28: Sprecher 3 Sie wird Junioren-Weltmeisterin und debütiert mit 16 Jahren im Weltcup. Mit 130 km/h die Piste runter, das ist ihr Ding. Ihr Abitur schafft sie trotzdem irgendwie. Maria Riesch wird eine der erfolgreichsten Skirennläuferin aller Zeiten. Drei Olympiasiege, zwei Weltmeisterschaften, 27 Weltcupsiege, zweimal Sportlerin des Jahres. Doch es gibt auch immer wieder schwere Rückschläge und Verletzungen. Einmal sogar zwei Kreuzbandrisse innerhalb eines Jahres.

00:01:56: Sprecher 3 Den Kampf zurück an die Weltspitze bezeichnet sie mal als wichtigsten Punkt ihrer Karriere, der sie bis heute prägt. Sie beschreibt diese Phase ausführlich in ihrer Biografie "Geradeaus - Höhen und Tiefen meines Lebens", die sie 2012 veröffentlicht. Privat wird aus der geschäftlichen Partnerschaft zu ihrem Manager Markus Höfl eine Liebe. Die Hochzeit findet 2011 statt. Sie bleiben 13 Jahre lang verheiratet.

00:02:20: Sprecher 3 Im Jahr 2014 verabschiedet sich Maria Riesch nach 14 Jahren vom Profisport. Ihr Leben ist aber weiterhin nicht langweilig. Sie arbeitet als Speakerin, Markenbotschafter und Coach, tritt als Expertin im Fernsehen auf, ist viel in der Welt unterwegs und engagiert sich vor allem für benachteiligte Kinder und Jugendliche. Gerade hat Maria Riesch für ihre sozialen Verdienste die Bayerische Sozialmedaille von Staatsministerin Ulrike Scharf erhalten.

00:02:45: Sprecher 3 Maria Riesch lebt mit ihrem Partner, dem Kreuzfahrtschiff Manager Johann Schrempf, abwechselnd in Kitzbühel und am Gardasee.

00:02:53: Sprecher 1 Sehr gut und ausführlich recherchiert.

00:02:55: Sprecher 3 Und war alles richtig?

00:02:56: Sprecher 1 Alles top.

00:02:58: Sprecher 3 Wunderbar. Bevor wir loslegen und in ganz viele Details deines Lebens gehen, möchte ich dir gern ein paar Fragen stellen mit der Bitte um eine kurze Antwort, wenn es irgendwie geht. Dieser Podcast heißt ja Bayern gemeinsam Stark. Was bedeutet Bayern für dich?

00:03:12: Sprecher 1 Es ist meine Heimat, bin ich geboren und aufgewachsen. Auch wenn ich mittlerweile in Österreich lebe, ist es ja quasi direkt der Nachbarort oder das Nachbarland. Ich bin immer schnell zu Hause in Garmisch und komme auch immer wieder gern dorthin.

00:03:25: Sprecher 3 Wo erlebst du Gemeinschaft und welchen Wert hat sie für dich?

00:03:29: Sprecher 1 Gemeinschaft erlebe ich Gott sei Dank in vielen Bereichen. Für mich persönlich ist Gemeinschaft schon natürlich Familie und enge Freunde. Ansonsten aber auch im Sport und auch bei meinem sozialen Engagement. Da sieht man mal, wie einfach Sport auch verbindet und man Kinder aus unterschiedlichen sozialen Schichten miteinander vereinen kann.

00:03:51: Sprecher 3 Was ist deine besondere Stärke? Was können Menschen von Maria Riesch lernen?

00:03:56: Sprecher 1 Selber über seine Stärken sprechen ist immer nicht so angenehm. Ja, also ich bin auf jeden Fall sehr ordnungsliebend und zuverlässig. Das würde ich mir manchmal bei anderen ein bisschen mehr wünschen. Das ist nämlich der Nachteil, wenn man solche Eigenschaften selber hat, dann ist man doch manchmal etwas enttäuscht, wenn das einem dann selber überhaupt nicht entgegengebracht wird.

00:04:15: Sprecher 3 Mir fallen noch einige andere Sachen ein, die Menschen von dir lernen können. Da sprechen wir aber gleich noch drüber. Gerade war in München die fünfte Jahreszeit die Wiesn. Ich glaube, du bist auch ein Riesenfan, gell?

00:04:25: Sprecher 1 Ja, schon. Also es ist schon immer eine ganz spezielle Stimmung auf dem Oktoberfest und ich hatte letztes Jahr gar nicht die Möglichkeit hinzugehen, weil ich da genau zu der Zeit auf Kreuzfahrt war. Umso mehr habe ich mich gefreut, dieses Jahr einige Tage wieder dort erleben zu dürfen. Und es war ja wirklich ein Traum mit dem Wetter, speziell die zweite Woche, wo es ja noch mal richtig schön warm wurde.

00:04:45: Sprecher 1 Ja, waren ein paar Highlights dabei.

00:04:47: Sprecher 3 Und die fünfte Jahreszeit, die läutet hier immer auch den Herbst ein. Und das heißt, es dauert nicht mehr so wahnsinnig lange, bis der Winter kommt und der Schnee. Freust du dich auf den Schnee? Wie oft stehst du noch auf Skiern?

00:04:57: Sprecher 1 Ja, ein bisschen Zeit ist ja noch hin. Ich freue mich schon dann immer auf den Winter. Aber ich bin auch etwas wehmütig, wenn der Sommer zu Ende geht. Also ich habe das jetzt sehr genossen da. Letzte Woche noch diese wirklich schönen, angenehmen Herbsttemperaturen, tagsüber noch richtig spätsommerlich. Und dann ist man eben ein bisschen wehmütig, wenn die Tage wieder kürzer werden, wenn es so früh dunkel wird.

00:05:17: Sprecher 1 Aber ich habe jetzt auch noch einige Reisen vor mir. Ich fahre auch noch mal ins Warme. Vor Weihnachten tatsächlich mit dem Kreuzfahrtschiff von Mauritius auf die Seychellen. Da habe ich ja eigentlich noch mal richtig Sommer. Aber das wird dann natürlich eine harte Umstellung, wenn ich dann kurz vor Weihnachten nach Hause komme. Aber dann bin ich auch schnell wieder im Winter drin und dann freue ich mich auf Skifahren.

00:05:34: Sprecher 1 Ich hoffe, wir kriegen viel Schnee. Ist ja oft nach heißen Sommern, dass dann der Winter auch gut wird. Darauf hoffen wir jetzt mal.

00:05:40: Sprecher 3 Das heißt also, Skifahren ist, wenn du frei hast, wenn du Zeit hast, immer noch was, was du gerne machst.

00:05:44: Sprecher 1 Auf jeden Fall ist natürlich ganz anders als früher während meiner Karriere, komplett ohne Druck. Und ich kann die Kurven da fahren, wo ich möchte. Ich kann auch mal bremsen, wenn es mir zu schnell wird, gerade wenn tolle Bedingungen sind. So frischer Schnee und blauer Himmel und gute Verhältnisse. Ich gehe natürlich am liebsten, wenn nicht ganz so viel los ist.

00:06:01: Sprecher 1 Also unter der Woche ganz in der Früh und auch nicht so gern in der Ferienzeit, weil da einfach immer die Pisten wahnsinnig überfüllt sind. Aber ansonsten fahre ich so oft es geht, sehr gerne noch.

00:06:11: Sprecher 3 Schön! Und das machst du, seitdem du zwei Jahre alt bist. Ich habe es gerade schon gesagt: Die ersten Versuche auf so Rutscherln, die waren wirklich als zweijähriges Kind. Du kommst aber auch aus einer wahnsinnig sportlichen Familie. Also es ist so, dass es eigentlich klar war irgendwie, dass aus euch Kindern irgendwas Sportliches werden muss. Welchen Stellenwert hat Sport gespielt bei euch in der Familie?

00:06:31: Sprecher 1 Ja, natürlich, schon einen sehr großen. Meine Eltern waren sehr aktiv. Als wir zur Welt kamen, sobald wir einigermaßen dazu in der Lage waren, sind die mit uns Bergtouren gegangen, Fahrradfahren, natürlich Skifahren im Winter. Ja, das hat uns natürlich von klein auf geprägt und auch das, ich sage mal, Sportlergen. Natürlich gehört auch Talent dazu. Aber irgendwie kriegt man das ja schon auch ein bisschen durch seine Erziehung mit.

00:06:54: Sprecher 1 Und wir eben in Garmisch Partenkirchen - die Berge vor der Haustür. Also es war für uns ganz normal, dass wir von der Schule abgeholt worden sind, uns im Auto umgezogen haben, direkt zur Hausbergbahn und dann ging es hoch zum Training. Ich glaube, dass war manchmal auch ein bisschen ein sehr strikter Plan, der uns da vorgegeben wurde, was wir auch nicht immer ganz toll fanden.

00:07:11: Sprecher 1 Aber im Nachhinein war das sicher ein wichtiger Baustein, dass ich dann so erfolgreich werden konnte.

00:07:17: Sprecher 3 Ihr habt auch Tennis gespielt. Auch deine Mama hat, glaube ich, Tennis gespielt. Viel Ski gefahren. Deine Schwester war zeitweise mit dir sogar im selben Team, ist dieselben Rennen mit dir gefahren. Dein Papa und dein Bruder sind, glaube ich, sehr Fußball verbunden. Also es ist wirklich bei euch einfach ein ganz, ganz großes Thema.

00:07:34: Sprecher 1 Ja, also mein Bruder, der war auch eigentlich so Allroundsportler. Der war jetzt nicht ganz so der Wettkampftyp, aber der ist auch Skirennen gefahren im Kindesalter und hat aber dann auch andere Sachen ausprobiert, ist dann auch mal Skispringen gewesen. Kann aber alles sehr gut, fährt auch wirklich heute noch sehr viel und sehr gut Ski. Also ich würde fast sagen, ich möchte gegen den gar kein Rennen fahren.

00:07:53: Sprecher 1 Ich glaube, der wäre jetzt heute wahrscheinlich schneller als ich. Bei dem waren es eher die Nerven, die dann versagt haben, so dass er kein Wettkämpfer geworden ist. Aber auch der hat seinen Weg gemacht, hat jetzt den Betrieb von meinem Vater übernommen, hat eine süße kleine Familie mit zwei Kindern und ja, also hat jeder einfach so seinen Weg gemacht und sind alle glücklich.

00:08:12: Sprecher 3 Glaubst du denn, dass deine Karriere ohne die Unterstützung deiner Familie so möglich gewesen wäre? Weil das ist ja schon - bis man dann irgendwann selbstständig genug ist, um zum Training abgeholt zu werden oder irgendwo alleine hinzufahren - wahnsinnig viel Arbeit für die Eltern auch.

00:08:27: Sprecher 1 Ja, erstens das. Natürlich wird da schon in jungen Jahren also auch so vom Skiclub und vom Skigau dann sehr viel organisiert. So Fahrten zum Gletscher, die machen dann die Trainer. Also das sind jetzt nicht immer überall die Eltern dabei. Aber natürlich macht es schon einen Unterschied, wenn Eltern so 100% dahinter stehen, weil sie dann halt auch...naja, das ist halt so als Kind ein bisschen schwer greifbar.

00:08:49: Sprecher 1 Ich will mal Skiprofi werden. Ja, okay, aber dass da halt mehr dazugehört, als einfach gern Ski zu fahren, das checkt man vielleicht in dem Alter noch gar nicht. Und ich will jetzt nicht sagen ein bisschen Druck, aber schon so der Push von den Eltern ist da glaube ich schon wichtig. Ich meine, ich erinnere mich an meine Kindheit, da waren viele super Talente, aber bei auch vielen waren halt die Eltern nicht so dahinter wie jetzt meine und da hätte es vielleicht der ein oder andere auch schaffen können, wenn da ein bisschen mehr noch von den Eltern gepusht geworden wäre.

00:09:15: Sprecher 1 Ich meine, am Ende muss trotzdem das Kind irgendwann selber entscheiden, spätestens im Alter von 14, 15, wenn dann vielleicht auch andere Dinge interessant werden und man dann doch sehr schon seine eigene Persönlichkeit und Meinung hat. Spätestens in dem Alter weiß man dann okay, will ich das jetzt wirklich oder lasse ich es jetzt? Und bei mir war einfach die Kombination perfekt, dass im jüngeren Alter meine Eltern sehr dahinter waren und ich dann mit 14 einfach an einem Punkt war, wo ich auch schon das Leistungsniveau hatte, wo ich gemerkt habe, ich bin auch im internationalen Vergleich wirklich bei den Besten dabei und ich habe da eine realistische Chance, da ganz nach oben zu kommen.

00:09:47: Sprecher 3 Also der Ehrgeiz, der war auf jeden Fall früh bei dir da, der war wirklich angelegt. Ich glaube, genauso wie die Liebe zum Adrenalin. Du liebst einfach alles, was schnell ist.

00:09:54: Sprecher 1 Ja, genau. Im ganz jungen Alter fährt man ja noch keine Speed-Disziplinen. Das geht ja immer so mit Slalom und Riesenslalom los. Aber dann, ja, so mit 14, ungefähr 13, 14, da sind dann schon so die ersten Gehversuche, auch mit Super G-Ski. Und das habe ich eigentlich gleich gemerkt, dass mir das wahnsinnig viel Spaß macht. Und ich bin ja dann auch, sobald ich dann im Jugendkader war, auch sofort in die Abfahrt eingestiegen.

00:10:16: Sprecher 1 Da hatten meine Eltern dann erst mal ein bisschen Sorgen, weil das ist natürlich schon sehr gefährlich ist. Wobei ich sagen muss, bei Riesenslalom und Slalom gibt es auch schlimme Verletzungen. Aber natürlich der Abfahrtsport, allein durch die Geschwindigkeit, ist schon ein besonderer Adrenalinkick, aber auch eine besondere Gefahr natürlich.

00:10:31: Sprecher 3 Bis zu 130 km/h. Und ich habe es gerade schon bei der Vorstellung gesagt, du hast ja Erfolge eingefahren wie kaum eine andere. Gleichzeitig ist es so, dass deine Karriere nicht total einfach immer bergauf verlaufen wäre. Im Gegenteil, deine richtig großen Erfolge kamen eigentlich erst, nachdem du wirklich schwere Verletzungen überstehen musstest. Brüche, aber markant eben diese zwei Kreuzbandrisse innerhalb von einem Jahr.

00:10:58: Sprecher 3 Und dieses Zurückkämpfen und sich selber motivieren und die Erfahrung machen, man kann es trotzdem wieder schaffen - das hat dich wahnsinnig geprägt.

00:11:06: Sprecher 1 Auf jeden Fall. Ich meine, zu dem damaligen Zeitpunkt war das natürlich ganz, ganz furchtbar für mich. Es ging irgendwie alles so mit einer jugendlichen Leichtigkeit. Ich sage jetzt mal so schnell - ich bin mit 16, da war ich noch in der Schule, ein erstes Weltcuprennen gefahren und dann irgendwie ein paar Jahre später, habe ich schon meine ersten Weltcup Rennen gewonnen. War mit 19 Jahren dritte im Gesamtweltcup, war dann auch mit der Schule fertig endlich.

00:11:25: Sprecher 1 Weil das war natürlich ein großer Klotz am Bein. Und dann dachte ich mir: SO, jetzt geht es richtig los! Dann kam eben die erste Verletzung. Ich war in Topform. Es war nur noch drei Wochen bis zur Weltmeisterschaft in Bormio damals 2005. Und dann ist mir eben dieser Sturz in Cortina passiert und da hatte ich mir das erste Mal das Kreuzband gerissen.

00:11:42: Sprecher 1 Und natürlich war das ein herber Rückschlag. Ich war 20 Jahre alt damals. Aber ich hab versucht, sofort nach vorne zu schauen und habe mir gesagt, das haben schon viele hinter sich. Und es gehört in so einer Ski Alpin Karriere wahrscheinlich auch irgendwo dazu. Und gut, dann habe ich es halt jetzt schon erledigt. Und dann ging eigentlich alles einigermaßen. Naja, also unkompliziert, sag ich mal, Wobei natürlich so ein Kreuzbandriss, bis das wieder verheilt ist und dann natürlich, bis man sich auch vom Kopf her wieder überwinden kann.

00:12:05: Sprecher 1 Es dauert schon. Vielleicht war es von dem her ganz gut, dass mir das schon im Januar passiert ist. So hatte ich eigentlich die ganze Saison. Als die Rennsaison dann zu Ende war Ende März, da war ich schon wieder einigermaßen hergestellt, konnte dann so nach und nach wieder ins normalere Training. Am Anfang geht da nur Reha. Da muss man erst mal schauen, dass das Knie wieder beweglich wird, dass die Muskulatur sich wieder aufbaut.

00:12:26: Sprecher 1 Das dauert natürlich alles. Aber dann hatte ich eigentlich fast eine normale Sommervorbereitung. Und entsprechend gut bin ich dann auch eigentlich in die neue Saison gestartet. Da war ich natürlich guter Dinge, weil es war eine Olympiasaison und ich dachte mir: Okay, jetzt habe ich auch noch bis Februar Zeit, dass ich wieder in den Rennrhythmus zurück finde und kann mich da so auf Olympia hin steigern.

00:12:45: Sprecher 1 Und dann ist mein großes Ziel: Olympia! Dass ich da vielleicht wieder um die Medaillen fahren kann. Naja, und dann kam der 10. Dezember desselben Jahres und dann ist mir leider in Aspen beim Riesentorlauf das andere Kreuzband gerissen. Und da muss ich schon sagen, da war ich dann echt am Boden. Allein schon diese Heimreise. Ich musste dann allein aus den USA nach Hause fliegen mit dem kaputten Knie.

00:13:04: Sprecher 1 Und ich wusste ja, im Vergleich zum ersten Mal, da hatte ich ja noch so die Hoffnung, vielleicht ist es ja gar nicht so schlimm. Hat sich zwar dann auch zerschlagen. Aber ich wusste in dem Moment, wo ich da geflogen bin - weil ich gemerkt habe, wie sich das anfühlt - dass das Kreuzband wieder gerissen ist. Und was einem da so im Kopf vorgeht in diesen Sekunden, wenn man dann da im Schnee liegt, das kann man eigentlich gar nicht beschreiben, aber irgendwie muss man sich halt dann auch damit abfinden.

00:13:24: Sprecher 1 Aber das war natürlich auch nicht einfach. Es war jetzt nicht so, dass ich dann nach Hause geflogen bin und mir gedacht habe: Na gut, jetzt machen wir halt das andere Knie, lassen wir richten und dann geht es nächstes Jahr wieder weiter. Sondern es war natürlich ein langer Prozess da, über den Rest vom Winter. Ich musste dann Olympia natürlich im Fernsehen anschauen. Wusste okay, die nächste Chance erst wieder in vier Jahren.

00:13:42: Sprecher 1 Leider ging es dann auch nicht so komplikationslos vonstatten wie im Jahr zuvor. Ich hatte eine Entzündung im Knie und konnte die Muskulatur nicht richtig aufbauen. Das hat sich alles sehr hingezogen und da musste ich schon wirklich Durchhaltevermögen entwickeln, beweisen. Wie auch immer, ich glaube, man muss da schon ein bisschen dafür gemacht sein. Natürlich hilft Unterstützung vom Umfeld, von den Trainern, von den Ärzten und so von der Familie.

00:14:06: Sprecher 1 Aber am Ende muss man da selber durch. Im Nachhinein gesehen muss ich sagen die Zeit, die hat mich echt stark gemacht, weil ich hatte natürlich viele schwierige Situationen. Dann noch im weiteren Verlauf meiner Karriere - Gott sei Dank - keine schlimmen Verletzungen mehr. Aber wenn man sowas dann mal überstanden hat, zwei so schwere Verletzungen hintereinander und sich da dann wieder heraus kämpft, hat dann irgendwie schon so eine innere Stärke, dass man sagen kann: Also mir kann eigentlich nichts was anhaben, komme was wolle.

00:14:30: Sprecher 3 Es ist einfach eine Erfahrung von wahnsinniger Selbstwirksamkeit, dass man, obwohl eigentlich gerade alles in die Brüche gegangen ist, wo man darauf hingearbeitet und gehofft hat.

00:14:40: Sprecher 1 Schon wieder!

00:14:41: Sprecher 3 Genau. Und das ein zweites Mal also, wo man die Kräfte eigentlich aufgebraucht hat für diesen Wiederaufbau, sich da durchzubeißen. Und du hast eben wirklich mal gesagt, dieses Durchbeißen, das war mit die wichtigste Zeit in deiner Karriere.

00:14:55: Sprecher 1 Ja, also im Nachhinein betrachtet kann man das natürlich dann so sagen, so leicht. Während dieser Zeit hatte ich natürlich viele Tiefen, wo ich oft gezweifelt habe, ob das noch mal was wird. Aber ich wollte mich nicht geschlagen geben. Ich dachte mir, Mensch, ich habe schon einiges erreicht und bin doch eigentlich erst am Anfang. Ich hatte ja bis zu dem Zeitpunkt noch keine Medaillen, also Junioren WM Medaillen natürlich.

00:15:17: Sprecher 1 Aber ich hatte drei Weltcup Siege in der Tasche, diesen dritten Platz im Gesamtweltcup in dem Jahr, bevor ich mir wehgetan habe. Naja, und sonst eigentlich noch nichts. Und meine Ziele waren ja nach wie vor Olympiasiegerin, Weltmeisterin zu werden, Gesamtweltcup-Siegerin. Und da habe ich einfach versucht, mich daran festzuhalten, dass ich mir gedacht habe, ich bin jetzt 21, das kann´s doch noch nicht gewesen sein.

00:15:36: Sprecher 1 Das war doch alles erst der Anfang. Und dieser unbedingte Wille und natürlich auch der Spaß am Skifahren. Weil ich es einfach von klein auf so wahnsinnig gern mit so viel Leidenschaft immer gemacht habe. Das hat mich dann wahrscheinlich in Kombination mit meinem etwas Dickköpfigem - oder ja halt nicht sich gehen lassen oder nicht sich aufgeben. Einfach die Kombination aus allem

00:15:58: Sprecher 1 hat mir dann dazu verholfen. Wenn auch es wirklich lange gedauert hat. In die kommende Saison 2006/2007 konnte ich starten, aber das war eine ganz schwierige Saison, weil da habe ich erst mal gemerkt, wie weit ich weg bin. Da hatte ich mich oft gar nicht von zweiten Durchgang qualifiziert oder war zwischen Platz 25 und 30 platziert.

00:16:18: Sprecher 1 Und da dann auch dran zu bleiben und sich eben auch wieder nicht aufzugeben und daran zu glauben, dass man den Anschluss wieder schaffen kann, das war schon ein Kraftakt. Aber umso stolzer war ich dann natürlich, dass ich schon eine Saison später, also 2007/2008 hatte ich dann eigentlich den Anschluss schon wieder geschafft und ab da ging es dann richtig los, zum Glück.

00:16:38: Sprecher 3 Und dann wurden es richtig viele Erfolge, auch wirklich alles, was du dir erträumt hattest. Und heute ist es so, dass du tatsächlich auch Vorträge hältst zu dem Thema und auch deine Stürze zeigst auf Video, mit dem Publikum darüber sprichst, dass da, wo Talent aufhört, Fleiß anfängt. So steht es auf deiner Homepage, weil du das einfach sehr, sehr authentisch erzählen kannst, was es bedeutet, richtig am Boden zu sein und sich trotzdem da wieder raus zu kämpfen.

00:17:05: Sprecher 3 Dass es sich lohnt am Ende.

00:17:06: Sprecher 1 Auf jeden Fall. Ja. Und ich muss auch sagen, das hat mich auch dahingehend geprägt, weil ich habe es ja vorher schon mal gesagt, es ging bis dahin, bis ich mir so weh getan habe, alles einigermaßen leicht von der Hand. Ich meine, natürlich muss man da jedes Mal wieder runterfahren und riskiert Kopf und Kragen. Aber es ging irgendwie mit dieser jugendlichen Unbeschwertheit alles so wie im Flow. Und ich war immer eine fleißige Trainieren auf der Piste.

00:17:27: Sprecher 1 Aber ich war manchmal nicht so fleißig im Kraftraum oder beim Ausdauertraining. Und da ich immer alle vier Disziplinen gefahren bin, was wirklich ein Mörder-Programm ist, sowohl im Sommer beim Training als auch dann im Winter die Wettkämpfe. Ich meine, ich hatte ja nie frei. Ich hatte nie Regenerationszeit. Ich konnte nie mal einfach Ski testen für eine spezielle Disziplin.

00:17:45: Sprecher 1 Ich bin nur von Rennen zu Rennen und vielleicht vor der Disziplinumstellung her mal einen Tag Zeit zum Trainieren. Und das war wahrscheinlich auch ein Grund dafür, dass ich mich verletzt habe. Weil die Belastung sehr intensiv war und ich einfach nicht fit genug war. Und das habe ich in der Zeit natürlich auch erkannt. Und ich sage mal nichts Schlechtes, was auch nicht was Gutes hat.

00:18:02: Sprecher 1 Man muss halt aus Fehlern lernen und dann auch seine Konsequenzen daraus ziehen. Und auch wenn es in diesem zweiten Comeback ja lange gar nicht möglich gewesen ist, weil ich gar nicht ordentlich trainieren konnte wegen Schmerzen und ich konnte gar nicht richtig Krafttraining machen. Aber als es mir dann wieder besser ging, wusste ich: Okay, jetzt muss ich meine Einstellung zu Training im Kraftraum und Ausdauertraining ändern, weil sonst schaffe ich den Anschluss nie.

00:18:22: Sprecher 1 Und ich will ja auch weiterhin viel fahren und dazu brauche ich eine andere Fitness. Und da habe ich Gott sei Dank aus den Fehlern gelernt. War natürlich eine harte Art und Weise, mich darauf aufmerksam zu machen, dass ich mehr machen muss. Aber vielleicht war das einfach notwendig.

00:18:36: Sprecher 3 Du gibst heute Fitnesstraining für interessierte Menschen, zum Beispiel auf Kreuzfahrtschiffen. Das heißt, du gibst auch da deine Erfahrungen weiter, denn du hast nach 14 Jahren, glaube ich, im Weltcup-Zirkus deine Karriere beendet 2014. Du hast mal gesagt, besser wird es nicht mehr. Lieber mit einem schönen Erfolg aufhören. Das ist auch eine sehr, sehr weise Entscheidung.

00:18:56: Sprecher 1 Ja, ich werde heute teilweise noch gefragt, weil ich war ja erst 29 damals. Das war natürlich ein frühes Karriereende. Aber wie du schon gesagt hast, es war die dritte olympische Goldmedaille. Und natürlich, ich war auf dem Leistungsvermögen, dass ich noch ein Jahr hätte dranhängen können. Aber ich wusste, ich fahr sicher nicht bis Olympia 2018. Und irgendwie hat es sich vom Bauchgefühl her so angefühlt, dass es einfach der richtige Moment ist.

00:19:20: Sprecher 1 Und wie ich auch vorher schon gesagt habe, es waren wahnsinnig intensive Jahre, von Jung weg oder eigentlich seit ich in den Weltcup kam. Und vorher auch immer, alle Disziplinen gefahren. Es waren sehr, sehr intensive Jahre und ich hatte dann auch nicht mehr so die 100%ige Motivation. Und wenn man das dann spürt, dann muss man auch, glaube ich, sagen: Besser jetzt ein guter Abgang als jetzt da vielleicht noch - auch wenn ich vielleicht auch noch gutes Geld hätte verdienen können mit Sponsorenverträgen und so - aber irgendwie fand ich es besser, dass die Leute sagen: Mensch, super, und jetzt ist die Olympiasiegerin geworden und trifft jetzt genau den Moment, wo es gut ist, aufzuhören

00:19:53: Sprecher 1 als wenn ich noch ein, zwei Jahre... und wer weiß, vielleicht wäre es gar nicht mehr gut gelaufen. Und wenn dann irgendwann jemand schreibt, "vielleicht sollte sie es doch besser lassen". Das ist dann eben kein schönes Karriereende, gerade wenn man wirklich so tolle Erfolge feiern konnte.

00:20:05: Sprecher 3 Jetzt ist es so. Du hast gesagt, du hattest während deiner Karriere eigentlich nie Pause, nie Zeit zum Regenerieren. Wie sieht denn dein Alltag heute aus? Wenn ich so lese, was du alles machst, klingt das nicht so, als ob du wahnsinnig viel Zeit hättest, um zu Hause auf der Couch rumzuliegen?

00:20:20: Sprecher 1 Zu Hause auf der Couch eher weniger. Da bin ich aber auch nicht der Typ dazu, sage ich ganz ehrlich. Also ich mache viele Sachen, das stimmt. Aber ich habe auch viel Freizeit, die ich mir Gott sei Dank bisschen einteilen kann. Also ich habe eine Ferienwohnung am Gardasee, wo ich im Sommer dann gerne so viel Zeit wie möglich verbringe.

00:20:34: Sprecher 1 Ich bin eben viel auf den Kreuzfahrten unterwegs, weil mein Lebensgefährte ja auf dem Schiff tätig ist. Der ist ein halbes Jahr weg. Also sechs Monate ist der im Einsatz. Nicht am Stück, aber immer wieder. Sechs Monate kann ich natürlich nicht weg, weil da habe ich dann doch auch andere Termine. Aber ich schaue schon, dass ich auf einigen Reisen dabei sein kann.

00:20:51: Sprecher 1 Und auf den meisten mach ich dann eben auch das mit meinem Fitnessprogramm, da habe ich auch eine Aufgabe an Bord, die mir sehr viel Spaß macht. Und ich liebe es, einfach zu reisen und so viel von der Welt zu sehen. Auch Orte, an die man sonst wahrscheinlich nie kommen würde. Ich war jetzt Anfang September mit einem Expeditions-Kreuzfahrtschiff von Hapag-Lloyd in Spitzbergen, also in der Arktis.

00:21:10: Sprecher 1 Wir sind da durchs Eis gefahren und mit Zodiac-Booten durch Eisberge durch und an Gletscher ran. Haben Eisbären gesehen und Walrösser, da waren wir 20 Meter dran. Von den Eisbären haben wir uns bisschen weiter ferngehalten, aber das sind einfach Wahnsinnerlebnisse, wo ich sehr glücklich und dankbar bin, das erleben zu dürfen. Und ja, ansonsten schaue ich, dass ich meine anderen Sachen so auf die Reihe kriegt.

00:21:32: Sprecher 1 Aber wie gesagt, ich bin jetzt nicht so der, der zum Erholen sich auf die Couch legt. Darf auch mal sein. Bin dann eher so ein bisschen: Raus, bewegen, in die Natur und mal Freunde treffen. Wenn man so viel unterwegs ist, Freundschaften aufrechtzuerhalten ist ja dann auch manchmal gar nicht so leicht, weil auch meine Freunde sind oft viel unterwegs. Und das ist dann so meine Freizeit und meine Erholung - wenn ich einfach Spaß mit Freunden habn und wandern gehen kann oder eben Skifahren.

00:21:55: Sprecher 1 Aber es ist natürlich auch immer Action. Ich brauche das aber auch.

00:21:58: Sprecher 3 Klingt so, als wärst du nicht in ein Loch gefallen nach dem Karriereende, sondern aktiv weitergegangen. Zu den vielen Sachen, die du machst, gehört auch dein soziales Engagement. Du bist schon seit 2012 Mitglied des Kuratoriums der Bundesliga Stiftung. Früher DFL Stiftung hieß sie, glaube ich. Und ebenfalls seit 2012 Botschafterin bei der Laureus Sport for Good Foundation. Es war beides im gleichen Jahr.

00:22:21: Sprecher 1 Ja, das war im gleichen Jahr. Bei Laureus bin ja dann sogar nach meinem Karriereende in die sogenannte Laureus Academy aufgenommen worden. Also ein sehr erlesener Kreis von wirklich Top-Sportlern weltweit.

00:22:32: Sprecher 3 Unter anderem Boris Becker und Kati Witt.

00:22:34: Sprecher 1 Genau, das sind die anderen beiden Deutschen. Und ja, natürlich, während meiner aktiven Karriere hatte ich da - das waren ja noch zwei Jahre - dann noch nicht so viel Zeit, mich darum zu kümmern. Aber seit ich dann aufgehört habe, unterstütze ich natürlich Projekte der beiden Stiftungen und bin, wenn die Veranstaltungen machen, jetzt gerade auch wieder Laureus Sports for Good-Wiesn gleich am ersten Sonntag, wo wirklich immer viel Geld gesammelt wird, eben für die Sportprojekte, mit denen wir Kinder unterstützen.

00:22:59: Sprecher 1 Das macht mir Spaß. Es ist mir eine Herzensangelegenheit und ich freue mich, dass ich dabei bin und auch auf alles, was in der Zukunft da noch kommt.

00:23:06: Sprecher 3 Es sind vor allem Sport-Sozialprogramme für Kinder und Jugendliche, die einfach aus Familien kommen, die nicht so gut unterstützen können, wie das bei dir der Fall war. Ähnlich ist es, glaube ich auch bei der Bundesliga- Stiftung. Auch da geht es um gesundes Aufwachsen und gleichberechtigtes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen. Du gilts da als sehr aktives, engagiertes Mitglied. Was sind das für Veranstaltungen, bei denen du dann dabei bist?

00:23:27: Sprecher 3 Zum Beispiel.

00:23:28: Sprecher 1 Es gibt auf der einen Seite eben wirklich so Charity-Veranstaltungen, wie ich gerade gesagt habe. Wie die Laureus-Wiesn, wo dann einfach Tische verkauft werden und Geld gesammelt wird für die Projekte. Oder es gab auch schon so Charity-Dinners, wo verschiedene Sachen versteigert werden. So Sachen sind natürlich ganz wichtig: Aber auch, dass man halt eben als Botschafter Projekte vor Ort unterstützt. Mit der Bundesliga Stiftung sind das schon immer eher natürlich Fußball bezogene Sachen.

00:23:54: Sprecher 1 Da besucht man dann einfach zum Beispiel eine Einrichtung, wo sich Kinder mehrmals die Woche zum Fußball am Abend treffen, also nach der Schule und wenn alles erledigt ist. Und es ist immer einfach schön zu sehen, wie dann Kinder aus schon generell sozial schwachen Verhältnissen, aber unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft, wie da dann der Sport die zusammenbringt. Und wie denen auch das Herz aufgeht dabei.

00:24:18: Sprecher 1 Das ist schön zu sehen, wenn man da so Projekte besucht.

00:24:21: Sprecher 3 Warum ist es so wichtig, gerade für Kinder, die von zu Hause nicht wahnsinnig viel gemeinsame Aktivitäten gewohnt sind, weil die Familien das gar nicht leisten können, die nicht gemeinsam Sport machen können? Warum ist für die gerade so ein sportliches Zusammenkommen so wichtig?

00:24:35: Sprecher 1 Ich glaube, das ist extrem wichtig. Vor allem deswegen, weil der Sport ja wirklich viele Eigenschaften lehrt, die sehr wichtig sind auch im normalen Leben. Wie Fairplay und Respekt miteinander. Die Projekte, die wir da teilweise auch in Städten unterstützen: Es ist einfach gut zu sehen, dass man die Kinder von der Straße weg holt, weil das ist dann meistens die Alternative.

00:24:55: Sprecher 1 Und gerade in großen Städten, wo dann auch viel Kriminalität und Drogensachen und so sind. Und wenn man dann manchmal sieht, was für kleine Kinder da teilweise unbeaufsichtigt rumlaufen, weil die Eltern ja wahrscheinlich auch arbeiten und nicht so die Zeit haben, sich darum zu kümmern. Von dem her - da bekomme ich gleich eine Gänsehaut - tut es gut zu sehen, dass man eben die Kinder mit so was von der Straße wegholen kann.

00:25:16: Sprecher 3 Du hast dich zeitweise auch in anderen Organisationen, bei "Ein Herz für Kinder", bei "Innocence in Danger" warst du früher mal Botschafterin. Da geht es um den Schutz von Kindern und Jugendlichen, vor allem im digitalen Raum. Ich kann mir vorstellen. Du kriegst sehr, sehr viele Anfragen und musst wahrscheinlich wirklich auswählen, weil man nicht alles machen kann.

00:25:33: Sprecher 1 Ja, also ich würde gerne noch viel mehr machen, aber ich habe einfach beschlossen, mich so ein bisschen auf diese beiden Stiftungen zu fokussieren, weil ich mich da auch so gut es geht einbringen will. Weil das dann auch sonst verwässert, wenn man zu viel macht. Ich glaube, die Leute nehmen das dann gar nicht mehr so wahr. Sie sagen: Ja, was macht die eigentlich genau?

00:25:50: Sprecher 1 Und wenn man wirklich für ein oder zwei Dinge steht, dann kommt die Botschaft auch klarer an, glaube ich. Und deswegen bin ich trotzdem, wenn ich die Zeit habe, bei der Ein Herz für Kinder-Gala und setze mich da an Spenden Telefon. Also so Einmal-Aktionen unterstütze ich natürlich trotzdem total gerne. Aber für das, wofür ich stehe, das ist auf jeden Fall Laureus und Bundesligastiftung, das sind die beiden wichtigsten Projekte.

00:26:13: Sprecher 1 Das ist einfach schön zu sehen, was man eigentlich mit wenig tun kann - das ist ja für mich jetzt kein großer Aufwand, mal zu einem Projektbesuch zu gehen oder Leute zu akquirieren, dass sie mal spenden bei irgendeiner Veranstaltung von Laureus oder Bundesligastiftung. Und was das dann am Ende bewirkt, also wie viel da umgesetzt werden kann und wie viel möglich ist! Weil wir natürlich auch eine super Community sind.

00:26:36: Sprecher 1 Also die ganzen Botschafter und auch die Academy-Member, das sind wirklich tolle Leute. Und da sieht man eben auch: mit vereinten Kräften - eine Person alleine ist da natürlich auch immer nicht so mächtig wie jetzt so eine Gruppe. Und es hat sowohl Laureus - sogar wirklich weltweit - als auch die Bundesligastiftung mit tollen Botschaftern in Deutschland, di haben das wirklich toll hinbekommen, da einfach Leute zusammenzubringen, die auch gehört werden, die wahrgenommen werden und die da einfach viel bewirken können.

00:27:03: Sprecher 3 Ehrenamt verbindet Menschen, Ehrenamt verbindet unsere Gesellschaft. Deswegen fördert auch das Sozialministerium jede Menge Projekte in dem Bereich. Und wer jetzt Lust bekommen hat, sozusagen Anregungen braucht, Lust bekommen hat, sich zu engagieren: Es gibt das Ehrenamtsportal. Und zwar in der Kooperation mit dem Landesnetzwerk für Bürgerschaftliches Engagement in Bayern. Da findet man jede Menge Möglichkeiten, egal in welchem Bereich sich zu engagieren.

00:27:27: Sprecher 3 Und es gibt auch Fortbildungen, Veranstaltungen, Hinweise für Menschen, die überlegen, einen Vereinen zu gründen selbst. Also da kann man sich tatsächlich Service holen als ehrenamtlich interessierter Mensch. Es gibt zum Beispiel so Sachen wie die Ehrenamtskarte, wo man als jemand, der sich regelmäßig engagiert, unentgeltlich auch Anerkennung bekommt für sein Engagement. Zum Beispiel durch Vergünstigungen bayernweit für Museen oder Schwimmbäder oder Schlösser oder vieles mehr.

00:27:53: Sprecher 3 Es gibt da verschiedene Anlaufstellen, auch auf der Website des Sozialministeriums. Wir verlinken das natürlich alles. Und was das Sozialministerium eben auch regelmäßig macht, ist die Sozialmedaille, die an Menschen aus der Öffentlichkeit verliehen wird für ihr soziales Engagement, aber auch an ganz normale, nicht bekannte Menschen, die einfach Freizeit hergeben, um der Gesellschaft was Gutes zu tun. Und zu denen gehörst du jetzt.

00:28:16: Sprecher 3 Genauso wie schon ein paar andere Gäste, die wir in diesem Podcast begrüßen durften. Giovanne Elber zum Beispiel, Sven Hannawald, Michaela May, auch Anna Schaffelhuber. Da sind immer auch ehemalige Profisportler dabei. Und es ist, glaube ich, kein Zufall, dass gerade ehemalige Profisportler sich nach ihrer Karriere sozial engagieren. Gerade im Breitensport und gerade im Bereich Kinder und Jugendliche, die sonst vielleicht nicht so leichten Zugang dazu hätten.

00:28:41: Sprecher 3 Das hat wahrscheinlich wirklich was damit zu tun, dass Sport und so wichtige Grundlagen lehrt, oder?

00:28:46: Sprecher 1 Ja, und vor allem, weil eben ehemalige Leistungssportler genau wissen, was genau der Sport vermitteln kann. Das hatten wir vorher schon mal gesagt, egal ob jetzt Fairplay, Miteinander, Respekt voreinander, aber auch der Umgang mit Rückschlägen, mit Niederlagen. Das sind ja alles Sachen, die kann man vom Sport eins zu eins ins private Leben, ins Businessleben ummünzen. Da gehe ich auch immer gerne bei meinen Vorträgen darauf ein.

00:29:11: Sprecher 1 Und eben wie Nelson Mandela bei der Gründung von Laureus im Jahr 2000 schon gesagt hat: Sport has the power to change the world. Und genauso ist es auch.

00:29:20: Sprecher 3 Mir ist noch aufgefallen in der Vorbereitung, Maria, du bist mit Felix Neureuther in eine Schulklasse gegangen. Richtig.

00:29:27: Sprecher 1 In der Grundschule genau, wir sind der selbe Jahrgang. Sind ja auch schon gemeinsam in den Kindergarten, zwar in unterschiedlichen Gruppen, aber haben auch ganz in der Nähe gewohnt, waren deswegen im selben Kindergarten und in derselben Grundschule. Und kennen uns dementsprechend, seit wir denken können.

00:29:41: Sprecher 3 Und er hat dich gehänselt, eine Zeit lang, in der Schule. Es gibt eine sehr gemeine Geschichte.

00:29:45: Sprecher 1 Wie es Kinder halt so machen in einem gewissen Alter, aber wir verstehen uns wunderbar heute. Wir haben uns erst vor ein paar Wochen - meine Schwägerin 40. Geburtstag gefeiert und der Felix ist so ein bisschen in der Freundesclique von meinem Bruder - und da haben wir uns seit längerem mal wieder gesehen und haben super nett geratscht. Also alles wunderbar.

00:30:03: Sprecher 3 Ihr habt euch auch danach glaube ich öfter als Fernsehexperten getroffen. In der ARD, zusammen nicht moderiert, aber kommentiert. Das ist schon, man muss sagen, Garmisch-Patenkirchen, das ist einfach ein Nest, aus dem doch viele, viele sehr talentierte Sportlerinnen und Sportler kommen.

00:30:20: Sprecher 1 Ja, das stimmt, ist schon eine Talentschmiede.

00:30:23: Sprecher 3 Was ich auch gelesen habe: Du bist Investorin und zwar bei der Frauenfußballmannschaft FC Viktoria 1889 Berlin. Genau. Und das ist eine ganz besondere Mannschaft, weil es da vor allem um Frauenförderung geht. Wie kam es dazu und warum bist du da eingestiegen?

00:30:39: Sprecher 1 Ach, das ist jetzt auch schon wieder einige Jahre her, dass sechs sehr intelligente und in die Zukunft schauende Damen die Idee hatten, einen Investorenkreis zu gründen, um eben diese Fußballmannschaft zu unterstützen. A) um ihnen mehr Sichtbarkeit zu geben und b) sie auch finanziell zu unterstützen auf dem Weg hoffentlich irgendwann in die erste Bundesliga. Schritt eins, in die zweite Bundesliga ist gelungen.

00:31:04: Sprecher 1 Nach ein paar Anläufen. Und ja, es ist für mich auch wichtig, weil ich schon das Gefühl habe, dass generell der Frauensport manchmal ein bisschen unter den Scheffel gestellt wird. In den meisten Sportarten verdienen die Männer sehr viel mehr. Und wenn man jetzt die direkte Leistung vergleicht, was man jetzt eigentlich nicht sollte, weil die Männer sind halt nun mal von der Anatomie her ein bisschen anders, haben allein genetisch bedingt vielleicht mehr Muskeln und massiveren Körperbau, aber trotzdem: Frauen leisten auch Unglaubliches, wenn wir beim Ski-Alpin bleiben, wenn man sich die Abfahrten anschaut, wo die sich da runterstürzen. Aber auch andere Sportarten - da finde ich es manchmal ein bisschen schade, dass da wirklich solche Gaps sind,

00:31:44: Sprecher 1 was die Bezahlung betrifft. Und deswegen war mir das auch eine Herzensangelegenheit, da mit dabei zu sein. Meine Freundin Franziska van Almsick ist auch mit dabei, sogar als Aufsichtsrätin. Ich freue mich, dass wir da jetzt die ersten Erfolge mit dem Aufstieg in die zweite Bundesliga schon verbuchen konnten. Ich kann leider nicht so oft in Berlin vor Ort sein. Ist nicht immer so mein Einzugsgebiet, aber ich verfolge das immer sehr interessiert.

00:32:07: Sprecher 1 Wir haben einen WhatsApp-Kanal, wo immer alle Infos geteilt werden und freue mich immer, wenn die Mädels gewinnen.

00:32:12: Sprecher 3 Überhaupt Sichtbarkeit, auch Sichtbarkeit im Frauensport, aber überhaupt Sichtbarkeit von Frauen und Frauen- Vorbilder ist grundsätzlich ein ganz, ganz wichtiges Thema. Weil Vorbilder einfach nötig sind, damit auch junge Frauen oder Mädchen sich trauen. Auch das Sozialministerium - das packen wir auch in die Shownotes - hat so schöne Projekte. Zum Beispiel die "Frauenorte", wo ganz tolle Frauen-Biografien porträtiert werden. Frauen, die sich beruflich in Zeiten, wo das noch überhaupt nicht gang und gäbe war, durchgesetzt haben.

00:32:40: Sprecher 3 Frauen, die politisch sich durchgesetzt haben, also ganz, ganz tolle Vorbilder, von denen man so vielleicht gar nicht so viel weiß. Gerade diese Sichtbarkeit und diese Vorbildfunktion ist einfach unglaublich wichtig und gehört viel mehr in die Öffentlichkeit.

00:32:52: Sprecher 1 Absolut.

00:32:53: Sprecher 3 Und jetzt ist es, glaube ich, so, dass in deinem Sport ja tatsächlich - zumindest was so Übertragungen und so angeht - es doch relativ gleichwertiges Interesse gibt bei Männern und Frauen.

00:33:03: Sprecher 1 Ja, das stimmt. Wobei - kommt natürlich auch immer ein bisschen aufs Rennen an. Wenn jetzt gerade Kitzbühel läuft, dann ist natürlich alles andere nicht so relevant, das sticht sogar auch andere Sportarten manchmal aus. Das sind natürlich absolute Highlight-Events. Aber ansonsten stimmt schon, da haben wir ziemlich eine Gleichberechtigung. Wobei auch viele Ski-Alpin-Sendungen auch nicht mehr live kommen oder wenn dann nur der zweite Durchgang oder halt im Livestream.

00:33:26: Sprecher 1 Das ist ein bisschen schade. Wird natürlich auch an allen Ecken und Enden gespart. Teilweise sind die Teams gar nicht mehr vor Ort, sondern machen alles aus dem Studio. Aber so ist halt gerade irgendwie der Markt und alle müssen sparen. Also außer im Fußball. Aber ja, schauen wir mal, wie sich das weiterentwickelt. Ich würde mich natürlich freuen, wenn Ski-Alpin wieder ein bisschen einen Push bekommt.

00:33:47: Sprecher 1 Unsere liebe Emma Aicher sorgt ja mit tollen Erfolgen gerade auf jeden Fall wieder für Aufmerksamkeit und ich bin gespannt jetzt auf die kommende Saison, wie sie sich weiterhin schlägt.

00:33:56: Sprecher 3 Wir freuen uns auf den Winter. Ich bedanke mich ganz, ganz herzlich, Maria Riesch, für dieses sehr inspirierende Gespräch.

00:34:02: Sprecher 1 Ich bedanke mich ebenso.

00:34:03: Sprecher 3 Und ja, wünsche dir jetzt erstmal eine wunderbare Reise. Noch mal ein bisschen in den Sommer, hast du gesagt, geht es für dich.

00:34:09: Sprecher 1 Jawohl, Danke.

00:34:10: Sprecher 3 Und dann ein schneereichen Winter.

00:34:12: Sprecher 1 Den hoffen wir.

00:34:13: Sprecher 3 Vielen Dank.

00:34:14: Sprecher 4 Danke.

00:34:33: Sprecher 2 Bayern gemeinsam stark. Der Podcast mit Menschen, die uns inspirieren. Eine Produktion des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales.

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